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November 12 2019

law abiding citizen (director’s cut)(f. gary gray, usa 2009)

Warum sind wir so besessen von der Idee der Rache?

Rachefilme gehören zum US-Kino, seit berittene Helden mit Stetson und Revolver noch das Gros der Spielfilmprotagonisten stellten. Die Idee der Durchsetzung und Wiederherstellung von Gerechtigkeit mit den Mitteln der Gewalt spielte beim Aufstieg des Kinos zur beherrschenden Kunstform des 20. und 21. Jahrhunderts wahrscheinlich auch deshalb eine so bedeutende Rolle, weil die USA genau so, nämlich mit Blei, überhaupt aus dem Boden gestampft werden konnten: Bevor es eine Verfassung und ein Gesetzbuch gab, mussten schließlich erst all jene aus dem Weg geräumt werden, die einem solchen Unterfangen mehr als nur kritisch gegenüberstanden. In den Siebzigerjahren rückte dann eine neue Form des Rachefilms in den Fokus: Der Selbstjustizfilm, wie Michael Winner ihn mit DEATH WISH begründete, schlug den Bogen zum Western zurück, indem er eine Gesellschaft abbildete, die kurz vor dem Rückfall in die Barbarei stand. Das Verbrechen drohte Überhand und den „braven Bürgern“ die Existenzgrundlage wegzunehmen, so die Diagnose dieser Filme. Doch war es wirklich eine Lösung, das Gesetz mit der Schusswaffe wieder in die eigene Hand zu nehmen? Seit dem Erfolg des Charles-Bronson-Klassikers feiern der Selbstjustiz-Thriller und Rachefilm regelmäßig ihre Renaissance, was seltsam ist, weil es wahrscheinlich noch niemals so sicher auf unseren Straßen war wie heute. Und immer wieder wird in diesen Filmen suggeriert, dass die Frage nach der Recht- oder Unrechtmäßigkeit von Selbstjustiz neu verhandelt werden müsse, dass es keine Übereinkunft darüber gebe, dass die Aufgabe, Recht zu vollstrecken, in den Händen des Staates liege. Zugegeben: Wann immer ein Straftäter in den Augen der „schweigenden Mehrheit“ (oder der rechtskonservativen Presse) nicht hart genug bestraft wird, folgt todsicher auch wieder der Ruf nach der Todesstrafe oder einer anderen körperlichen Form der Bestrafung. Und sicher lässt sich das Rachebedürfnis von Menschen, die ein Familienmitglied aufgrund eines Verbrechens verloren, emotional gut nachvollziehen. Ich glaube aber nicht, dass es hier diesen echten Verhandlungsbedarf gibt, wie es der Rachefilm in den Raum stellt. Selbst dem überzeugtesten Rechtsausleger muss ja klar sein, dass er diesem „Recht“, das er für sich in Anspruch nehmen möchte, selbst zum Opfer fallen könnte. Trotzdem spülen seit einiger Zeit Jahr für Jahr gefühlt Dutzende von Filmen in unsere Kinos, in das Programm von Streaminganbietern oder via Blu-ray und DVD in unsere Regale, die sich mit Rache und Selbstjustiz auseinandersetzen, uns daran erinnern, dass wir gar nicht so tief in uns drin eine gewalttätige Spezies sind und die Frage aufwerfen, ob Rache nicht vielleicht doch OK ist. Der Rachefilm ist von einem kleinen Subgenre zu einer Standardform des Actionfilms und des Thrillers geworden. Und so reizvoll ich das Thema „Rache“ gerade für harte, politisch unkorrekte Reißer auch finde: Ich halte diese Tendenz für etwas beunruhigend. Selbst wenn alle diese Filme letztgenannte Frage ablehnend beantworten, wirkt es doch so, als geschehe das letztlich eher aus einem Pflichtgefühl heraus, denn aus Überzeugung.

LAW ABIDING CITIZEN ist kein besonders aktuelles, aber umso eklatanteres Beispiel für die nicht mehr ganz so neue Strömung, ein abgeschmackter, harter, sich in der ersten Hälfte in grafischen, abstoßenden Gewaltszenen und Anstößigkeit geradezu suhlender Film, der seinen relativ gängigen Plot – ein Mann, der seine Familie an zwei skrupellose Mörder verloren hat und vom Justizsystem enttäuscht wurde, nimmt Rache – mit den Mechanismen verbindet, die die SAW-Reihe dem Kino bescherte. Gerard Butlers Protagonist Clyde Shelton ist nämlich kein einfacher, heißgelaufener Vigilant, der mit der Pumpgun loszieht, um Punks abzuknallen wie sein Vorgänger Paul Kersey, sondern ein brillantes, diabolisches, in den Geheimdiensten geschultes Mastermind, das einen aufwändigen Plan ausgeklügelt hat, mit dem es seine Gegenspieler manipuliert wie Figuren in einem elaborierten Brettspiel. In diesem Spiel geht es nicht nur darum, Rache zu üben und Gerechtigkeit her-, sondern das gesamte Rechtssystem auf die Probe zu stellen. Ziel seines Plans sind neben den beiden Mördern, die bereits innerhalb der ersten halben Stunde ihr Leben auf grausame Art und Weise verlieren, auch der Rechtsanwalt Nick Rice (Jamie Foxx), der sich damals auf einen faulen Deal einließ, sowie die Richterin und mit diesen der ganze Rechtsapparat. Eigentlich geht es Shelton aber gar nicht um Individuen, sondern insgesamt um die abstrakte Idee von Recht und um die Mechanismen, die diesem Recht dazu verhelfen, Wirklichkeit zu werden – zumindest behauptet er das. Das ist durchaus eine interessante Grundlage für ein sich mit philosophischen Grundfragen auseinandersetzendes Drama, aber LAW ABIDING CITIZEN verwendet seine Energie dann doch lieber auf die Zelebrierung grotesker Splatterszenen, derber, das R-Rating auf eine Zerreißprobe stellende Geschmacklosigkeiten, die seiner vermeintlich kritischen Haltung zuwiderlaufen, und haarsträubend idiotische Plotwendungen. Dieser Clyde Shelton mag ein Wahnsinniger sein, aber der Film findet nicht wenig Freude daran, seinen Wahn in blutrünstigen Bildern vor dem Betrachter auszubreiten. Es ist der klassische Fall eines Films, der sich für deutlich cleverer hält, als er tatsächlich ist und in dem Aufwand, der da betrieben wird, um möglichst perfide Gewaltdarstellungen herbeizukonstruieren und inhaltlich zu legitimieren, kommt ein unangenehm unreflektiertes, geradezu obsessives Verhältnis zu Gewalt zum Vorschein. Und wenn es am Ende darum geht, das Kaninchen aus dem Hut zu zaubern, das da ie ganze Zeit angeteasert wurde, kommt nur antiklimaktischer Unfug dabei heraus. Drehbuchautor ist Kurt Wimmer, der einst den schönen Brian-Bosworth-Actioner ONE TOUGH BASTARD inszenierte, und danach mit dem MATRIX-Klon EQUILIBRIUM eine ganze hanebüchene Dystopie erdachte, bloß um Christian Bale mit einer Pistole herumfuchteln zu lassen.

Wer wie ich einen herkömmlichen Selbstjustizreißer von LAW ABIDING CITIZEN erwartet, wird sich nach etwa 30 Minuten ziemlich wundern: Zu diesem Zeitpunkt sind die beiden ekligen Home Invaders, die Shelton Frau und Tochter vor seinen Augen ermorden und vergewaltigen, nämlich bereits tot, ihr Mörder – besagter Shelton – gefasst und man fragt sich, was in den kommenden 90 Minuten des Director’s Cuts eigentlich noch passieren soll. Bis hierhin durfte der Betrachter bereits einer Hinrichtung per Giftspritze beiwohnen, die durch Sheltons Zutun zur körperlichen Qual für das hilflose, wimmernde Opfer gerät, der blutigen Verstümmelung des Killers mit Trennschleifer und diversen anderen Schneidewerkzeugen sowie der folgenden Übersendung einer Videoaufzeichnung des Massakers an die kleine Tochter des Anwalts (die Auskunft, dass der Penis einem Teppichmesser und der Hodensack einem Hackebeil zum Opfer fielen, hebt der Film sich für die Dialoge auf). In diesem Tempo macht LAW ABIDING CITIZEN weiter: Die Richterin wird vom sich selbst verteidigenden Shelton erst davon überzeugt, dass er ohne Kaution auf freien Fuß zu setzen sei, dann von ihm als „bitch in heat“, die es gern „up the ass“ nehme, beschimpft, weil sie einen Killer wie ihn laufen ließe. Es bleibt nicht bei dieser Beleidigung: Er sprengt ihren Kopf wenig später via Telefonverbindung. Zu seinem Spielchen gehört auch die Ermordung seines Zellenkameraden durch ein gutes Dutzend Stiche mit einem Steakknochen in die Kehle, wonach sich der blutüberströmte Gerechtigkeitsfanatiker dann in aller Seelenruhe auf seine Pritsche legt. Ihr merkt schon: LAW ABIDING CITIZEN ist ein gemütliches kleines Filmchen, das cinephiler Schöngeister anspricht und zu rechtsphilosophischen Debatten bei Rotwein und Käsehäppchen anregt. Doch nachdem in der ersten Stunde die Leihen angehäuft wurden, packt den Film die Müdigkeit und er verfällt in gängige Thrillerstrukturen. Der so geniale Plan des Rächers läuft auf einen ziemlich schnöden Terrorakt hinaus (er will das Gerichtsgebäude sprengen), seine übermenschliche Intelligenz, die in einer Szene gepriesen wird, die auch aus einem Seagal-Film stammen könnte, besteht letztlich darin, dass er einen Tunnel gegraben hat, durch den er aus dem Knast entkommen kann. Und bevor man sich fragt, wozu er den ganzen irrwitzigen Aufwand eigentlich betrieben hat, wenn er seine Bombe doch auch einfach so hätte legen können, ist der Film zu Ende.

LAW ABIDING CITIZEN ist Hochglanzschund, ein mit viel Geld polierter Reißer, der so tut, als hätte er etwas zu erzählen, aber fast ausschließlich aus billigen Tricks besteht, die davon ablenken sollen, dass das alles kompletter Blödsinn ist. Der durchtriebene Anwalt und sein Team sind komplett unfähig und die Genialität des Killers würden andere als „Umständlichkeit“ beschreiben. Das trifft auch auf die Inszenierung zu, die mit so abgeschmackten Einfällen wie jenem daherkommt, die Hinrichtung eines Verbrechers mit einem Bühnenauftritt der Anwaltstochter parallelzumontieren. Hier ist alles Selbstzweck, der sich aber schämt, dazu zu stehen und stattdessen große Töne spuckt. Das ist für eine Stunde lang ganz putzig, danach aber nur noch nervtötend.

November 11 2019

INTERVIEW: Mats Grorud Takes Us Inside A Palestinian Refugee Camp In ‘The Tower’

In his debut feature "The Tower," Grorud draws on personal experience to tell a story of Palestinian refugees that spans five generations.

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zhan lang (jing wu, china 2015)

ZHAN LANG – oder mit internationalem Verleihtitel WOLF WARRIOR – ist rückblickend vor allem deshalb bemerkenswert, weil er den Weg für das Sequel WOLF WARRIOR II bereitete, das 2017 zum erfolgreichsten chinesischen Film aller Zeiten avancierte, dabei allein in China rund 874 Millionen Dollar einspielte und somit hinter AVENGERS: ENDGAME und STAR WARS: THE FORCE AWAKENS derzeit den dritten Platz in der Liste „Höchste Einspielergebnisse in einem einzelnen Markt“ belegt. Die knapp 90 Millionen Dollar, die dieser erste Teil einspielte, wirken dagegen wie ein Fliegenschiss, was sich aber wieder relativiert, wenn man ihn mit westlichen Actionfilmen vergleicht. Bei einem Budget von 12 Millionen Dollar ist ZHAN LANG als „Low Budget“ zu bezeichnen, seine miesen CGI und die flache Optik erinnern bisweilen an die Sünden von Asylum und Konsorten, Gaststar Scott Adkins ist niemand, der die Massen ins Kino lockt, sondern allenfalls in DTV-gestählten Actionfankreisen eine Marke und der krasse Patriotismus und Chauvinismus des Films erinnern an zweitklassige USActionfilme aus den Achtzigern, die auf die auch schon nicht zimperlichen Studioproduktionen sogar noch einen draufsetzten.

Worum geht’s: Der Scharfschütze Lena Feng (Jing Wu) widersetzt sich bei einem Militäreinsatz gegen ein Drogenkartell dem Befehl seines Vorgesetzten, als er einen Geiselnehmer erschießt. Anstatt Kriegsgericht und Entlassung wird er aber zum Mitglied der „Wolf Warrior“ befördert, einer Super-Eliteeinheit, die sich aus den Besten der Besten zusammensetzt. Seine erste Übung im Kreise seiner neuen Kameraden gerät zum Ernstfall, weil der Bruder des erschossenen Drogengangsters Rache will und dafür eine Einheit amerikanischer Supersöldner um Tomcat (Scott Adkins) auf die „Wolf Warriors“ ansetzt.

ZHANG LANG ist ein dummer und leider auch visuell schmuckloser Film, der seine stärksten Szenen immer dann hat, wenn es kracht, bevorzugt, wenn sich Star Jing Wu mit jemandem auf die Fresse haut. Über die Shoot-outs, Explosionen, Fights und Stunts kann man nicht meckern, sie sind kompetent, schmerzhaft und angemessen blutig, aber das ganze Drumherum stößt eher ab. Bei mir kam erschwerend hinzu, dass ich gezwungen war, den Film in seiner deutschen Synchronisation zu „genießen“, die die eh schon nicht sonderlich intelligenten Dialoge noch eine ganze Nummer dümmer macht. Kritische Untertöne oder auch nur einen Hauch von Ambivalenz sucht man hier vergebens, stattdessen werden das Loblied auf Vaterland, Kamerad- und Opferbereitschaft gesungen und nebenbei doofe Herrenwitzchen auf Kosten der weiblichen Befehlshaberin Long Xiaoyun (Nan Yu) gerissen, die von Leng Feng natürlich sofort als potenzieller Fortpflanzungspartner ins Auge gefasst wird (man muss dem Film zugute halten, dass sie relativ schlagfertig zurückschießt). Das tut schon etwas weh und wird durch die bereits erwähnten Versuche, mittels optimierungsbedürftiger Computereffekte den Eindruck eines Hightech-Spektakels auf Augenhöhe mit den US-amerikanischen Vorbildern zu erwecken, nicht besser. Da sitzen die Militärs an einem Virtual-Reality-Strategietisch und schieben fancy Hologramme durch die Gegend, doch eine Fallschirmspringersequenz wird wie anno dunnemals mit komischen Rückprojektionen realisiert. Ultramies ist auch der Angriff von CGI-Wölfen, die genau so lange gut aussehen, wie sie nicht mit ihren menschlichen Gegenspielern interagieren müssen. Jing Wu peilt mit seinem Film meines Erachtens eine Art GI-Joe-hafter Infantilität an, die sich unter anderem im putzigen Logo des Films zeigt, das mit einem metallischen Rumms ins Bild geballert wird, bevor dann noch eine Kugel und eine Kampfmesserklinge mit reinknallen. Fehlten eigentlich nur noch der obligatorische Totenkopf, eine Handgranate, Blutstropfen und Spinnennetz, um es perfekt zu machen. Aber dieser entwaffnenden Albernheit stehen die nationalistische Verbissenheit und der schon erwähnt schmucklose Look des Films im Weg. Als nicht-chinesischer Zuschauer bekommt man da mitunter ein ungutes Gefühl, weil man das Gefühl hat, hier den Propagandafilm für die bevorstehende totale Mobilmachung zu sehen, zumal die Verortung des Geschehens auf irgendeinem Truppenübungsplatz auch nicht eben die Fantasie anregt. Die Akteure wurden einfach in irgendeinem hügeligen und bewaldeten Brachland zum Kriegspielen abgeladen, was ZHANG LANG zu einem arg überteuerten Verwandten des Wald-und-Weisen-Films macht, der sich besonders in Amateur-Horrorfilm-Kreisen großer Beliebtheit erfreut. Bedenkt man, was für visuelle Schmuckstückchen uns aus Hongkong von den Siebziger- bis zu den frühen Nullerjahren erreichten, stimmt ZHANG LANG eher traurig, auch wenn gewiss nicht alles schlecht ist.

Jing Wu versteht sein Kampfsport-Handwerk ohne Zweifel und während der Actionsequenzen gibt es durchaus immer wieder jene Momente, in denen man die Faust in die Luft stoßen möchte: Ich denke da an den Sprintangriff auf einen Scharfschützen aus einem Busch heraus, der mit einem krachenden Zeitlupen-Kopfschuss aus nächster Nähe sein abruptes Ende findet, an den Schlussfight zwischen Feng Long und Tomcat oder auch den Kopfschuss durch eine Betonmauer, der die Geschichte des Helden gewissermaßen eröffnet. Die Schlusscredits, die mit schmerzhaften Stunt-Bloopers untermalt werden, wecken zudem nostalgische Erinnerungen an die alten Jackie-Chan-Klopper, die diesen Kniff zur Kunstform erhoben. Aber der Vergleich zeigt eben auch, was in den 30 Jahren seitdem verloren gegangen ist. Naja, wie ich las, soll WOLF WARRIOR 2 eine deutliche Steigerung zu diesem streitbaren Werk sein. Wenn sich das bewahrheiten sollte und es diesen ersten Teil brauchte, um da hin zu kommen, bin ich versöhnt.

 

 

Review: Divorce Is Not That Simple in Noah Baumbach’s "Marriage Story"

Steeped in auto-fiction, crisscrossing between memoir and artifice until the distinction hardly matters, much of Noah Baumbach’s cinema responds to an urge to heal. His 1995 debut feature Kicking and Screaming chronicled a father’s struggle to overcome a post-college days spleen; the 2005 The Squid and the Whale a son surviving his parents’ divorce; Margot at the Wedding (2007) and The Meyerowitz Stories (New and Selected) (2017) focus on dysfunctional families fighting and exorcising feuds and traumas, a theme that’s also traversed many a collaboration between Baumbach and Greta Gerwig—surfacing perhaps most evidently in the 2015 Mistress America. Another study of broken families, Marriage Story feels like treading into familiar turf. Chronologically, it’s a follow-up to The Meyerowitz Stories; thematically, it harkens back to the portrait of a couple’s collapse dissected in The Squid and the Whale—this time told not from a child’s perspective, but from the parents’ own. 
Adam Driver is Charlie; Scarlett Johansson is Nicole. They are a married duo living in New York, Baumbach’s home turf, but hail from different states: Nicole a Los Angeles transplant, Charlie an Indiana native. She’s left California and a TV career still in its embryonic stages to follow him to the city, where he directs a theatre company, and she serves as lead in his productions—conceptual pieces people alternatively describe as “edgy,” “avant-garde,” and “genius.” Robbie Ryan’s handheld camerawork introduces them with a preamble of quiet domestic candor—or rather, each introduce the other, as Nicole’s voiceover lists Charlie’s idiosyncrasies, and vice versa. But these are no valentines, and the soothing feeling they elicit, much like the free-floating camera movements, soon come to a screeching halt. Charlie and Nicole are separating: the lists, imbued with longing and affection, are letters a counsellor has asked them to write, but which neither has enough courage to read to the other. They have a child together, whose custody will soon be up for dispute. Nicole is set to move back to L.A., Charlie fights for the three to remain in New York. This is the story of a couple disintegrating, where the divorce looms as some inescapable outcome all throughout, a journey that’s at once devastating, hilarious, empathetic, and heart-wrenchingly vivid.
In a tale whose ending is essentially telegraphed from the start, Marriage Story thrums with the energy of some pulsating organ. It’s a deeply personal journey that ultimately transcends the couple at its center, precisely because it understands both halves down to their innermost quirks. Baumbach (here again on double writer-director duty) has possibly never penned anything this stellar, a script where screwball comedy chuckles teem with tragedy. But it is the perfect symbiosis between writing, directing, and Jennifer Lame’s work in the editing room that allows the plot to shift tones in the time that lasts an hairsbreadth, with scenes that carom off excruciatingly funny segments to others of lacerating sadness. In one, Nicole’s attempts to hand Charlie the divorce papers stall in a series of hilarious mishaps, a towering crescendo of laughs that plummets in a shattering silence. In another, an attempt to find a truce and escape the courtroom agonies draws husband and wife into a ferocious altercation, only to default to a tear-jerking embrace. 
Marriage Story could have all easily slipped into a pathetic, melodramatic terrain; that it never quite does is Baumbach’s merit as much as his outstanding leads—Driver and Johansson concurrently injecting unhinged force and vulnerability into their parts. Talking of blurring the line between truth and fiction, Johansson was herself going through a divorce when Baumbach first approached her, and there’s an ineffable vividness in the way she embodies Nicole’s drama, straddling pride and fragility. But in a script peppered with a few arresting monologues, it’s when Driver and Johansson are brought together that Marriage Story reaches its most poignant heights, thrusting both onto a magnetic field that pushes and pulls them apart. And it’s interesting to see Jade Healy’s production design amplify the widening gulf between soon-to-be ex-husband and wife by fleshing out the New York - L.A. antinomy undergirding the split as a fight for space. For Charlie and Nicole’s battle is also a topographical one - a transcontinental quest to salvage a union that reads (in a way that stretches back to Woody Allen’s Annie Hall) as a fight between two irreconcilable cities and the philosophies that come attached to them. All along Charlie’s legal battle, people try to cajole him into abandoning crammed New York to settle in spacious L.A. But the interiors people in Marriage Story inhabit West of the country (scarcely furbished apartments, sleek high-rise offices, plush homes) are just vast as the emotional void their tenants harbor. 
Clocking at 136-minutes, the pace may not be not even all the way through, all the more so when Baumbach zeroes in on the perilous judicial journey the two embark on, leaving the plot to venture into court procedural terrain. But if so much emphasis is devoted to the backroom fights and negotiations between lawyers, it’s because Marriage Story is a movie about a couple’s divorce as much as a study of how the divorce legal-complex operates: a critique of its apparatus, its choreographies, its judicial etiquette, as well as the financial and emotional costs it demands from those who go through it. It also helps that the pantheon of lawyers hovering above the couple should feature other pitch-perfect cast choices, with a scene-stealing Laura Dern as Nicole’s powerhouse lawyer (her rant against the Judeo-Christian conception of the woman as a pristine holy Virgin adds yet another show-stopping monologue to the film’s long list), and Alan Alda in an affable father-like lawyer stint that’s swiftly taken over by his replacement, a buggy-eyed, raging Ray Liotta.
Told as it may be for the most part from Charlie’s perspective, Marriage Story does not side with him. And this may well be its greatest merit. Perceptively, Baumbach chooses to withhold judgment over the couple’s two halves, and pours as much affection and empathy into each. This is a generous story: for all the resentments and insults they fire at each other, neither Charlie nor Nicole ever give in to their lawyers’ advice that their past life together must be re-written to ensure a win in court. “It’s not as simple as not being in love anymore,” Johansson describes her conundrum to Dern in an early meeting. What makes Marriage Story so humane and piercing is that it understands this as the kind of truth no one outside her marriage could ever really grasp. And it respects it as such. 

These Animator Reels From Netflix’s ‘Green Eggs and Ham’ Are Incredible

The animation on this series is a real highlight. Too bad they didn't credit most of the animators.

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November 10 2019

Denver Film Festival - A Final Roundup

Today marks the end of the 42nd Denver Film Festival. The following are shorter pieces on the films seen over the weekend.

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Swallow
Carlo Mirabella-Davis - 2019
IFC

In his feature directorial debut, Mirabella-Davis lays his themes clearly with the shot of a frightened baby lamb that knows its getting prepared to be slaughtered. We are soon introduced to Hunter, a young woman who has married into a family of one percenters. Dad has given the newlyweds a showroom perfect multi-million dollar glass mansion that emphasizes the isolation Hunter feels, while her husband, Richard, is at work as a top exec in his father's company. Unintentionally, Austin Powell as Richard, vaguely resembles Donald Trump, Jr. with his closely trimmed beard. Hunter, marginalized by her husband and his family, but unable to articulate her feelings, begins a habit of swallowing small, and increasingly sharp objects when she learns she is pregnant.

As one who prefers an over-determined visual style to a film with no discernible style, Mirabella-Davis' film makes extensive use of a set design with frames within frames, isolating the characters in their individual spaces. The film serves as a showcase for Haley Bennett, whose characters morphs from the overly pliant housewife who speaks barely above a whisper, to a woman discovering her own sense of agency. This is a psychological horror film where the sight of Bennett ingesting a push pin is among the least disquieting images.

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The Wild Goose Lake / Nan Fang Che Zhan De Ju Hui
Diao Yinan - 2019
Film Movement

Diao's newest film since Black Coal, Thin Ice (2014), again with Kwei Lon-mei, and contemporary film noir in China. Hu Ge is a member of a crime family that steals motorbikes. After shooting a rival gang member in the leg, he's on the run, from police as well as other gang members. Kwei has arranged to have Hu turned in to the police on his own terms, with reward money going to Hu's wife. The film takes place in an unnamed "Second tier city", with the characters speaking the Wuhan dialect of central China.

While the narrative is not as tight as as Black Coal, Thin Ice, Diao seems to have fun sneaking in visual references primarily from some classic films of the Forties. A slight nod to The Lady from Shanghai with a set of distorted mirrors, and big shadows on the walls of the pursuers and the pursued from several films by Carol Reed. Kwei may be the only other person to light two cigarettes in her mouth at once since Paul Henreid in Now, Voyager. There are also the indelible images of the splatter of blood against an open while umbrella, and the sight of a small army of cops seen in the distance, with only their florescent sneakers visible in the distance.

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Cunningham
Alla Kovgan - 2019
Magnolia Pictures

I was interested in seeing this documentary on choreographer Merce Cunningham because it was shown in 3D. Previously, I had seen Wim Wender's 3D documentary on Pina Bausch (2011), and the British film, StreetDance, a narrative film by choreographers Max Giwa and Dania Pasquini. The use of space and depth perception is rarely in effective use by Kovgan. The film's strength is as a record of Cunningham's life and work between 1942 and 1972 using a combination of stills, previous documentary footage, recorded interviews, and recreations of several of Cunningham's works in atypical settings - including a forest, a pedestrian overpass, and a New York City high rise rooftop.

Where the 3D if most effective is for the recreation of the dance, "Rain Forest". The quartet of dancers move on a bare set, black, surrounded by silver pillows designed by Andy Warhol that float and bounce between them. Where 3D is most effective is when there are moments when there is the sense of an image spilling beyond the screen. Kovgan keeps everything at a polite distance, which may be fine for the balletomane, but is the antithesis of visually dynamic cinema.

everybody wins (karel reisz, usa 1990)

Ich erinnere mich noch an den Trailer zu EVERYBODY WINS, den ich wahrscheinlich auf irgendeiner VHS-Kassette gesehen hatte: Der Sprecher wiederholte da immer und immer wieder in markigem Tonfall den Titel, wahrscheinlich um mit Nachdruck jenen Sinn von Drama und Spannung zu erzielen, den die Ausschnitte von Karel Reisz‘ Film einfach nicht liefern konnten. Selbst vor dem Hintergrund der ja eh nicht in erster Linie um Schauwerte konstruierten Justiz- und Politthriller ist seine letzte Regiearbeit bemerkenswert spröde: Die viel beschworene Aussage, dass mehr Fragen gestellt als Antworten gegeben werden, beschreibt EVERYBODY WINS, der auf einem Drehbuch von Arthur Miller basiert, das dieser auf der Grundlage seines Einakters „Some kind of love story“ geschrieben hatte, nahezu perfekt. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass der Reiz von EVERYBODY WINS darin besteht, dass er tatsächlich keine einzige der aufgeworfenen Fragen wirklich befriedigend beantwortet. Der Film ist ein Faszinosum, wenn man sich darauf einlassen kann.

Der Privatdetektiv Tom O’Toole (Nick Nolte) wird von Angela Crispini (Debra Winger) in ein verschlafenes Nest in Connecticut gerufen; Ein stadtbekannter Arzt wurde ermordet, sein Neffe des Mordes für schuldig befunden, verurteilt und inhaftiert. Doch Angela weiß, dass er unschuldig ist und bittet Tom – dem sie jede Menge süßen Honig um den Mund schmiert -, ihm zu helfen. Der geschmeichelte Tom beginnt mit seinen Untersuchungen, bei denen er auf einen tiefe Sumpf der Korruption bis in die höchsten Ämter der Stadt stößt. Ihm wird schnell klar, dass Angela mehr weiß als sie zugibt und dass sie wesentlich dazu beitragen kann, die ganze Stadt zu Fall zu bringen, doch genau das will die Frau überhaupt nicht. Und so lässt sie den zunehmend enervierten Tom am Haken zappeln wie einen hilflosen Fisch.

Das zentrale Mysterium des Films ist nicht so sehr die Frage, wer den Arzt ermordet hat, sondern wer diese Angela Crispini ist. Und die großartige Debra Winger, die ihre Karriere nach einigen herausragenden Leistungen an den Nagel hing, weil sie von den Rollen, die Hollywood ihr anzubieten hatte, frustriert war, interpretiert sie passend dazu als Frau mit pathologisch vielen Gesichtern, die auf eine tiefe seelische Verwundung schließen lassen. Scheint sie zu Beginn noch der archetypischen femme fatale zu entsprechen, die ihre weiblichen Reize dazu einsetzt, einen chancenlosen männlichen Trottel für ihre Zwecke einzuspannen, kommen bald Zweifel daran auf: Angela ist mal aggressiv und kalt, dann wieder verängstigt und verwundbar, sie bricht in Tränen aus, legt rätselhafte Verhaltensweisen an den Tag, berichtet vom Missbrauch durch den Vater und offenbart eine direkte Verbindung zum Verbrechen. Der furztrockene O’Toole – der eh schon immer etwas pennerhaft aussehende Nolte in einer besonders unglamourösen Variation seiner Persona – kann dem Zuschauer nur Leid tun: Er weiß einfach nicht, an wen er da geraten ist, bestaunt die abrupten Stimmungsschwankungen, unvorhersehbaren Ausbrüche und bizarren Charaktersprünge seiner Auftraggeberin und Geliebten mit zunehmendem Unverständnis und Erstaunen. Dieses Unverständnis wird zu O’Tooles Standard-Modus und Nolte, zwar ohnehin nicht unbedingt für ausgesprochen souveräne Charaktere bekannt, aber doch für solche, die sich in ihrer Unsicherheit zu Hause fühlen wie in einem Paar ausgelatschter Pantoffeln, macht diese konstante Verunsicherung greifbar. Konsterniert muss er feststellen, dass er die Welt ums sich herum nicht mehr begreift, dass er mitnichten „normal“ ist, sondern mit seiner rationalen Sicht auf die Ding ein krasser Außenseiter. Es gibt eine tolle Szene, in der er den Sonderling Jerry (Will Patton) – sehr wahrscheinlich der echte Mörder – zu einer Befragung in ein Diner begleitet. Jerrys Freundin, die verschüchterte, etwas einfältige Amy (Kathleen Wilhoite) unterbricht ihn im Satz und aus dem Mann, der vorher so freundlich und ruhig war, bricht es plötzlich ohne jede Vorwarnung heraus: Er schreit sie an, demütigt sie und verpasst ihr einen Schlag, woraufhin sie anfängt zu weinen. O’Toole sieht den Ausbruch mit Entsetzen, er möchte eigentlich eingreifen, um sie zu schützen, doch er kann nicht: Es steht ihm nicht zu, sich in diese Leben einzumischen, aber er ist bis ins Mark verstört von den Abgründen, die sich ihm offenbaren und hat keine Ahnung, womit er es zu tun hat.

Der Zuschauer identifiziert sich in zweifacher Hinsicht mit O’Toole: qua Konvention, weil  O’Toole die Figur ist, die wir begleiten, aber auch in der Hinsicht, dass die Erwartungen, die wir an EVERYBODY WINS stellen, fast allesamt enttäuscht werden. Wir kennen Filme wie diesen, zumindest glauben wir das, und haben eine ungefähre Vorstellung wie sie verlaufen: Der Ermittler ermittelt und kommt am Ende zu einem Ergebnis – auch wenn es nicht das ist, das er erwartet hat. Auch O’Toole glaubt zu wissen, wie er an sein Ziel kommt und wie dieses Ziel aussehen könnte. Aber seine Ermittlungen prallen letztlich immer an der Wand namens „Angela“ ab. EVERYBODY WINS endet mit einem Erfolg, der eigentlich eine Niederlage ist – oder auch nicht, denn O’Toole findet sich am Schluss lachend damit ab, dass die Welt absurd ist, dass seine Vorstellungen davon, was richtig ist, offensichtlich nicht mehr mehrheitsfähig sind. Er dreht dem Wahnsinn den Rücken zu. Er kann ihn nicht verhindern, muss sich mit ihm abfinden, aber daran teilhaben will er trotzdem nicht. Karel Weisz verarbeitet diese Camus’sche Erkenntnis des Absurden nicht in einer depressiven, resignierte Abrechnung mit der Welt, sondern in einer wenn schon nicht heiteren, so doch leichtfüßigen Farce, die ihren Rhythmus dem munteren Swing von O’Tooles im Kassettendeck laufendem Tape verdankt. Auch der Titel entspricht dieser Haltung: Am Ende von EVERYBODY WINS gibt es tatsächlich nur lachende Gesichter, alle haben „gewonnen“. Nur die Gerectigkeit nich, aber die kann sich ja eh nicht beschweren.

 

 

the presidio (peter hyams, usa 1988)

Was man hatte, weiß man erst, wenn man es nicht mehr hat. Das trifft auch auf die spezielle Spielart des actionlastigen Hochglanz-Thrillers zu, die Hollywood bis in die frühen Neunzigerjahre produzierte, bis diese dann schließlich aus der Mode kamen. THE PRESIDIO vom hier vielfach gepriesenen Peter Hyams, einem der Spezialisten der Form, ist einer der Vertreter und buhlte im Jahr 1988 um die Gunst der Kinozuschauer. Verglichen mit den heutigen Eventmovies wirkt THE PRESIDIO geradezu klein und unspektakulär, aber vor 30 Jahren wurde er tatsächlich mit einigem Nachdruck beworben. Er war nicht unbedingt eine große Sache, aber doch ein Titel, von dem sich Paramount einiges versprach: Sean Connery war einer der größten Filmstars überhaupt, von Mark Harmon erhoffte man sich immer noch, er könne vielleicht ein zweiter Tom Cruise werden und Meg Ryan stieg in jener Zeit zu einer der gefragtesten weiblichen Darstellerinnen auf. Das Drehbuch stammte von Jay Ferguson, der die Scripts zu HIGHLANDER und BEVERLY HILLS COP II auf dem Kerbholz hatte. Der Aufwand zahlte sich dann leider nicht so aus wie erhofft, auch wenn THE PRESIDIO nicht unbedingt als „Flop“ zu bezeichnen ist.

Die Geschichte ist angenehm unaufdringlich: Auf dem Armeestützpunkt Presidio in San Francisco wird eine Militärpolizistin erschossen, die einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt hatte. Zur Ermittlung wird der Cop Jay Austin (Mark Harmon) abgestellt, der den Militärdienst vor einigen Jahren nach einem Zwischenfall quittiert hatte. Er nimmt Kontakt zu Lieutenant Colonel Alan Caldwell (Sean Connery) auf, der damals maßgeblich zu Austins Entscheidung beitrug, als er ihn nach einem Disziplinarverfahren degradierte. Dass der Cop eine Liebesbeziehung mit Donna (Meg Ryan), der Tochter Caldwells anfängt, verkompliziert die Beziehung der beiden Männer, die sich dann aber zusammenraufen, um den Mordfall zu klären.

Fergusons Script ist eine einzige Ansammlung von Klischees, denen Hyams leider kein Leben einflößen kann: Die Freundschaft zwischen den ungleichen Männern, hier der aufbrausende, undiszplinierte Cop, da der konservative, im Krieg gestählte alte Hund, die ihre Antipathie überwinden müssen und schließlich zu Freunden werden. Die zwischen beiden stehende Frau, die in der Rebellion gegen das rigide System des Vaters über die Stränge schlägt. Es gibt die Nebenrolle des väterlichen Freundes, die zu namhaft besetzt ist, weshalb man weiß, dass er Bestandteil einer großen Überraschung im dritten Akt ist. Gewürzt wird das alles mit Verfolgungsjagden und Schießereien, bis der Täter aus dem Hut gezaubert wird. Das alles kennt man, meist aus besseren Filmen, auch wenn die vielleicht nicht immer so makellos aussahen wie THE PRESIDIO. Man merkt Hyams‘ Filmen immer an, dass er von der Kamera kam – und das ist es auch, was diesen schwächeren Film von ihm noch sehenswert macht. Die nächtliche Auftaktsequenz ist ein Augenschmaus mit ihren satten Farben und der spannungsreichen Ausleuchtung, überhaupt trägt die Kulisse San Franciscos viel dazu bei, dass man sich THE PRESIDIO gut anschauen kann und sich nicht langweilt, selbst wenn man jederzeit genau weiß, was als nächstes passieren wird. Aber speziell der ganze Beziehungskram sorgt für einiges Augenrollen: Mark Harmon ist definitv kein zweiter Tom Cruise und für die Rolle des toughen Street Cops zu langweilig und irgendwie auch zu spießig – als berechnender Jurist/Serienmörder Ted Bundy in Marvin Chomskys TV-Film THE DELIBERATE STRANGER war er ungleich besser besetzt. Meg Ryans Rolle ist viel zu unterentwickelt, um über die peinliche Männerfantasie hinauszukommen: Die Sequenz, in der sie sich mit Jay eine wilde Verfolgungsjagd durch die Küstenstadt liefert, um ihn dann auf der Motorhaube ihres Sportflitzers zu verführen, wirkt 30 Jahre später nur noch peinlich. Und Caldwells abschließende, tränenreiche Rede am Grab des toten Freundes hebelt fast den ganzen Film aus.

Aber wie weiter oben gesagt: Ich vermisse diese von echten Routiniers gefertigten Unterhaltungsmaschinen, die im Wesentlichen noch durch ehrliches Handwerk bestachen. Insofern betrachte ich auch die knapp 100 Minuten, die ich mit THE PRESIDIO verbracht habe, nicht als verschwendet.

November 09 2019

a walk among the tombstones (scott frank, usa 2014)

Zwei Körper, einer männlich, einer weiblich, in extremen Close-ups. Haut auf Haut, aus dieser Nähe kaum zu identifizierende Rundungen und Falten, gleißendes Licht. Männliche Finger, die sanft über die weiße Haut streicheln. Zwei Menschen, nach dem Aufwachen, in Liebe umschlungen? Dann werfen die Bilder Zweifel daran auf: Ein zweites männliches Gesicht rückt ins Bild. Klebeband verschließt den Mund der Frau. Das Bett entpuppt sich als mit Plastikfolie verkleidete Liege. Der Mann greift hart zu, die verschmutzten Füße der Frau verkrampfen sich, eine Träne läuft an Ihrer Wange hinab.

Der Schmerz hat in Scott Franks A WALK AMONG THE TOMBSTONES tief in die Welt eingeschrieben: Ein Ex-Cop, der dem Dienst wie dem Alkohol abschwor, nachdem er aus Versehen ein kleines Mädchen erschoss. Ein Jugendlicher, der gegen die Sichelzellenanämie ankämpft. Ein Mann, der ohne Vorwarnung in den Freitod springt, weil er die Schrecken, an denen er beteiligt war, nicht vergessen kann. Und zwei Psychopathen, die sich einen Spaß daraus machen, Frauen zu quälen und ihre Männer mit dem Grauen zu konfrontieren. Das alles angesiedelt in einer Stadt, deren Backsteinhäuser wie Grabsteine in den HImmeln ragen. Die Skyline zeigt noch die berühmten Twin Towers, aber auch sie sind schon dem Untergang geweiht.

A WALK AMONG THE TOMBSTONES ist von tiefer, auswegloser Traurigkeit durchzogen. Alle Charaktere, die den Film bevölkern, scheinen von einer schweren Last niedergedrückt zu werden. Es gibt nichts, auf das sie sich freuen oder auf das sie hinarbeiten würden. Es gibt keine Ideale oder Träume mehr, nur schmerzhafte Erinnerungen und die Einsicht in die Absurdität und Sinnlosigkeit des Lebens. Auch der Himmel ist grau und teilnahmslos. Und mitten hinein in die Depression stoßen zwei eiskalte Mörder, deren Verbrechen keinen Sinn ergeben, die es sich zum Ziel gemacht zu haben scheinen, den Weg in den Abgrund als Boten des Untergangs zu bereiten. Sie werden am Ende ihre gerechte Strafe bekommen, das verlangt die Konvention, aber dass die Welt danach eine bessere geworden ist, glauben weder der Protagonist noch der Zuschauer. Der Kampf geht weiter, jeden Tag. Es ist ein Rückzugsgefecht.

Würde man den Inhalt des Films wiedergeben, A WALK AMONG THE TOMBSTONES würde sich nicht nach viel anhören. Der Crimefilm ist voll von ausgebrannten Ex-Cops, verkommenen Großstädten und perversen Frauenmördern, alle möglichen Konstellationen wurden längst durchgespielt. Aber A WALK AMONG THE TOMBSTONES ist trotzdem anders – und faszinierend. Er ist wie ein Gedicht, auffallend lyrisch, in seiner Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit aber gleichzeitig wunderschön. Er basiert auf einem Roman von Lawrence Block, der den Detektiv Matthew Scudder erdachte und dessen Geschichten seit 1976 in insgesamt 19 Romanen erzählt hat, von denen 8 MILLION WAYS TO DIE bereits in den Achtzigerjahren von Hal Ashby mit Jeff Bridges in der Scudder-Rolle verfilmt wurde. Regisseur Scott Frank hat sich vor allem einen Namen als erstklassiger Drehbuchautor (nicht zuletzt von Hardboiled-Crime-Stoffen) gemacht, mit so beeindruckenden Credits wie GET SHORTY, MISSISSIPPI DELTA, OUT OF SIGHT, MINORITY REPORT oder LOGAN, und ist als Filmemacher noch nicht wirklich in Erscheinung getreten, aber wenn es etwas Gerechtigkeit gäbe, hätten die Produzenten ihm nach diesem Film die Türen einrennen müssen. A WALK AMONG THE TOMBSTONES zeichnet sich durch seine dichte Atmosphäre und eine geschliffene Ästhetik mit tollen Bildern sowie großartige Inszenierungseinfälle aus, die ihn weit über das hinaus heben, was man von einer solchen Bestseller-Adaption erwartet. Die eingangs beschriebene Szene ist nur ein Beispiel für den schmalen Grat zwischen Schönheit und Schrecken, den Scott mit großer Sicherheit beschreitet. Großartig dieser Moment, in dem die beiden Killer ihr nächstes Opfer entdecken, für sie im übertragenen Sinne die Sonne aufgeht, während auf dem Soundtrack Donovans „Atlantis“ anhebt und sich beim Zuschauer alles zusammenzieht, fesselnd das Finale mit dem Shootout, der via Voice-over mit dem 11-Punkte-Programm der Anonymen Alkoholiker unterlegt ist. Das Schlussbild, bei dem man dann zum ersten Mal die Twin Towers sieht, hinterlässt einen Kloß im Hals und dann untermalt eine anbetungswürdige Coverversion von Soundgardens „Black Hole Sun“ die Credits. Zum Niederknien.

Les Films Du Losange Enters Animation Business, Picks Up Sales For Mikrofilm’s ‘Titina’

A revered name in French film will distribute an animated feature for the first time in its nearly sixty-year history.

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November 08 2019

This Pioneering Report Reveals What It’s Like To Make Animation In Southeast Asia Today

This report compiles essential facts, figures, and observations on the Southeast Asia animation industry, laying the groundwork for further growth.

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Denver Film Festival - A Girl Missing

yokogao-a-girl-missing.jpg

Yokogao
Koji Fukada - 2019
Film Movement

Some things never change. One of Akira Kurosawa's lesser known films, Scandal, is about two celebrities, an artist and a singer, who meet at a resort. A photograph of them having breakfast together is published in a tabloid with the headline that the two are engaged in a love affair. That the story is false and has repercussions on the lives of the artist and the singer is of no concern to the paparazzi. For Kurosawa, his film was about ""he rise of the press in Japan and its habitual confusion of freedom with license. Personal privacy is never respected and the scandal sheets are the worst offenders."

A Girl Missing is primarily about the fallout after a high school student, Saki, is temporarily abducted. This is an apparently spontaneous act by a young man who happens to be the nephew of Ichiko, the nurse of Saki's grandmother. The relationship that Ichiko tries to hide, or at least downplay, does not stay secret for long as she is pursued by journalists who initially want more information on the nephew. Ichiko becomes the subject of tabloid fodder and sees her life spiraling out of control. Ichiko's past words and actions are shifted in such a way as to be used against her, making her appear as the real criminal.

The Japanese title translates as "Side Profile". There are two sides of Ichiko, the caring nurse seen caring for the grandmother, her own sense of self prior to the kidnapping, and then the version as presented by the tabloids that eventually causes the loss of her job, her fiancé and her home. There is also a third face as Ichiko renames herself Risa in a bid to break from her past life. The narrative is also fractured, by past and present, and by moments that are revealed to be Ichiko's dreams.

A Girl Missing primarily belongs to Mariko Tsutsui as Ichiko. For those who complain that there are few interesting roles for older actresses, Tsutsui, currently 59 years old, is able to play a woman who has moments with a total lack of inhibition. She is able to convey the frustration of someone who is herself a victim of various social codes, only able to depend on herself. There is the sense at the end of the film of tightly bound fierceness, that there is no way to correct the past, that you can only move forward.

November 07 2019

‘Spider-Verse’ Co-Director Peter Ramsey To Direct ‘Love In Vain,’ His First Live-Action Feature

Ramsey, who started out as a storyboard artist for live-action films, will helm this biopic of blues legend Robert Johnson.

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‘Chico & Rita’ Directors Reunite For Bossa Nova Musical ‘They Shot The Piano Player’

Jeff Goldblum is attached to the voice an American journalist investigating the disappearance of a Brazilian virtuoso pianist.

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