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willie dynamite (gilbert moses, usa 1974)e

Keiner der superbekannten Blaxploitation-Filme – dafür fehlte ihm vielleicht einer der großen Namen des Genres in der Hauptrolle -, aber definitiv einer der interessanteren. Regisseur Gilbert Moses erzählt die Geschichte vom Fall und der Läuterung des titelgebenden Zuhälters und er kommt dabei sowohl ohne überzogene Glorifizierungen einerseits als auch ohne moralische Dämonisierung andererseits aus.

Willie Dynamite (Roscoe Orman) ist ein New Yorker Pimp, mit seinen sieben Klassepferdchen die Nummer eins der Stadt – und er träumt davon, „dem Leben“ irgendwann einmal entfliehen zu können. Den Plan seiner Wettbewerber, sich gegenseitig abzusichern, lehnt er als Branchenführer ab, der Polizei, die darauf aus ist, ihn in den Knast zu bringen, lacht er ins Gesicht. Das Blatt wendet sich zu seinen Ungunsten, als die Sozialarbeiterin Cora (Diane Sands) Pashen (Joyce Walker) kennen lernt, Willies neueste Errungenschaft, und sich in den Kopf setzt, das Mädchen von der Straße zu holen …

WILLIE DYNAMITE „bedient“ das Blaxploitation-Publikum mit seinen grellen Pimp-Outfits, dem typischen jive talk und Willies überzeichnetem Gegenspieler Bell (Roger Robinson), einem Klischeeschwulen, der mit lackierten Fingernägeln und raumgreifenden Gesten zu Gewerkschaft der Pimps aufruft. Dem Treiben der Zuhälter, die ihren Bräuten eine güldene Zukunft versprechen, die wartet, wenn sie nur brav zu Daddy sind, steht er aber nur anfänglich kritiklos gegenüber. Die Dynamik des Films ändert sich merklich als Cora auftritt und gemeinsam mit der Polizei einen verbissenen Kampf gegen Willies Imperium aufnimmt. Moses gelingt eine schöne Mischung Action und Drama aus comichafter Stilisierung und authentischer Milieuzeichnung. Sein Film ist eine melodramatischere, idealistischere Version von Parks‘ SUPER FLY: Konnte dessen Protagonist am Ende zumindest vorübergehend obsiegen, liegt Willies Existenz als Pimp in Trümmern. Doch dafür sieht er als neuer Mensch auch einer neuen Zukunft entgegen, einer Zukunft, die nicht auf der Ausbeutung seiner Schwestern gegründet ist.

Im Mittelpunkt des Films steht nicht etwa Roscoe Orman, auf den ich glich noch zu sprechen komme, sondern Diane Sands: Den Feuereifer, mit dem Cora für ihre Überzeugung kämpft, macht Sands (u. a. THE LANDLORD) zu ihrem eigenen. Vielleicht wirkt sie auch deshalb so überzeugend, weil sie während der Dreharbeiten eine eigene Schlacht zu schlagen hatte. Sie litt an Krebs und erlebte die Uraufführung des Films nicht mehr: Sie verstarb mit nur 39 Jahren. Roscoe Orman vollzieht den Wechsel vom manipulativen Arschloch zum geläuterten Hoffnungsträger ebenfalls sehr glaubwürdig. Seine Karriere verlief kaum weniger überraschend als die seines filmischen Alter egos: Er landete einige Jahre nach WILLIE DYNAMITE bei der SESAME STREET, der er über 40 Jahre lang erhalten blieb. Blaxploitation-Mainstay Thalmus Rasulala hat eine nichtssagende Rolle, dafür reißt Roger Robinson alle Szenen, die er hat, mit Verve an sich. Unter den Damen in Willies Stall befinden sich einschlägig bekannte Aktricen wie Juanita Brown oder Judith Brown, die hier aber auf den Status von Eye Candy reduziert werden. Erstklassig ist auch der Score inklusive des schmissigen Titelsongs. Eine runde Sache und um Längen besser als so etwas wie SLAUGHTER.

 

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Schweinderl